Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke
Große Beobachtungsstudien weisen seit längerem darauf hin, dass ein hoher Eiweißverzehr und eine hohe Aufnahme unlöslicher Ballaststoffe aus Getreide sich gegensätzlich auf die Insulinwirkung und damit auch auf das Diabetes-Risiko auswirken. Die ursächlichen Zusammenhänge sind aber nur wenig erforscht, denn die Zahl klinischer Studien, in denen Probanden gezielt mit einer bestimmten Diät ernährt und unter kontrollierten Bedingungen untersucht werden, ist klein. Es gab auch bisher keine Studie, die eine eiweißreiche und eine ballaststoffreiche Diät direkt miteinander verglichen hätte. Die vorliegende Studie sollte daher dazu beitragen, die zu Grunde liegenden Wirkmechanismen aufzuklären.
Neu an der Studie ist unter anderem, dass sie nicht nur die Einzeleffekte einer hohen Ballaststoff- beziehungsweise Eiweißaufnahme auf molekularer und Stoffwechsel-Ebene analysiert hat, sondern auch deren synergistischen Effekte. „Wie unsere Daten zeigen, könnte ein hoher Eiweißverzehr direkt die zelluläre Weiterleitung des Insulinsignals beeinflussen, da er zu einem Konzentrationsanstieg des Signalproteins S6K1 im Fettgewebe führt. Steigt der S6K1-Spiegel, so verschlechtert sich die Insulinwirkung“, erklärt Martin O. Weickert, Erstautor der Studie. „Die Befunde sind im Einklang mit Studien, bei denen die Probanden Aminosäure-Infusionen erhielten, und könnten erklären, wie eine eiweißreiche Kost trotz ihrer günstigen Effekte auf das Körpergewicht und die Blutfettwerte das Diabetes-Risiko erhöhen kann.“
„Die Studienergebnisse geben zudem erstmals eine plausible Erklärung für die schützende Wirkung unlöslicher Ballaststoffe aus Getreide“, ergänzt Weickert, „Mithilfe verschiedener Untersuchungen stellten wir fest, dass unter einer Diät, die gleichzeitig viel unlösliche Ballaststoffe und viel Eiweiß enthält, weniger Eiweiß aus dem Darm aufgenommen wird. Die ungünstige Wirkung des Eiweiß könnte so durch die Ballaststoffe nachhaltig kompensiert werden.“ „Die Resultate unterstützen damit die Annahme, dass eine erhöhte Zufuhr von unlöslichen Ballaststoffen aus Getreide einen wertvollen Beitrag zur Diabetes-Prävention leisten“, so Pfeiffer.
An der vorliegenden Studie nahmen 111 übergewichtige, Typ-2-Diabetes-gefährdete Erwachsene teil, wobei 84 Probanden bis zum Ende der Studie durchhielten. Die zweiphasige Intervention dauerte 18 Wochen. In dieser Zeit wurden die Probanden gezielt mit vier verschiedenen Diäten ernährt***. Parallel führten die Forscher und Mediziner umfangreiche Stoffwechsel-Untersuchungen durch.
Hintergrundinformationen:
*Die Studie wurde vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) gefördert.
**Beobachtungsstudien weisen darauf hin, dass für die Senkung des Diabetes-Risikos die Aufnahme unlöslicher Ballaststoffe aus Getreide entscheidend ist. Die Aufnahme löslicher Ballaststoffe scheint diesbezüglich keine klaren Effekte zu haben. Günstige Effekte auf die Blutfette, den Glykämischen Index sowie die Fermentation im Dickdarm sind bei der Aufnahme löslicher Ballaststoffe zwar stärker ausgeprägt, wirken sich aber nicht auf das Diabetes-Risiko aus. Verzögerte Effekte der unlöslichen Ballaststoffe auf den Kohlenhydratstoffwechsel konnten bislang in kleineren Experimenten unter Verwendung von Goldstandardmethoden gezeigt werden. Ein möglicher Wirkmechanismus blieb aber bislang unklar, was einen direkten, kausalen Zusammenhang in Frage stellte. Die Ergebnisse der vorliegenden Studie liefern hierfür nun erstmals Beweise.
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Jörg Langer
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